Themenblock III

Voraussetzungen und Rahmenbedingungen – rechtlich, politisch, persönlich

17.06.-30.06.2013

Worum wird es gehen?

Der Einsatz von Social Media zum Lernen wurde in den letzten beiden Themenblöcken vor allem praktisch erprobt: In der PLE-Aufgabe des ersten Themenblocks haben einige Teilnehmende ihr Lernnetzwerk und die von ihnen eingesetzten Tools visualisiert, das zweite SOOC-Thema bot Raum für das Erproben neuer Tools und damit zur Erweiterung des eigenen Werkzeugspektrums.

Bereits hier gab es aber schon einige zweifelnde Stimmen: Wer liest meine öffentlichen Beiträge? Welche Auswirkungen hat das denn überhaupt, wenn beispielsweise zukünftig Arbeitgeber meinen Blog finden? Sollte man persönliche Gedanken von professionell genutzten Tools vielleicht trennen? Und muss ich eigentlich immer online sein, um nichts zu verpassen?

Das Social Web wirkt sich enorm auf unser Leben aus, gerade wenn wir hier auch beruflich oder im Rahmen des Studiums agieren. Aus unserer Blogparade konnte man auch gut sehen, wie Dozenten hierüber denken. Die persönlichen Auswirkungen, besonders hinsichtlich Privatheit und Datenschutz, sind daher eines der großen Themen in diesem Themenblock. Einige interessante Gedanken dazu finden Sie u.a. hier oder hier.

Aber es stellt sich nicht nur die Frage: Was sollte ich im Social Web veröffentlichen, sondern auch: was darf ich denn veröffentlichen? Die Verletzung von Urheberrechten war nie so einfach, wie im Social Web – es war aber auch noch nie so schwer, sich dessen bewusst zu sein, ob man hier richtig handelt. Wie leicht so eine Verletzung der Urheberrechte passieren kann, haben auch wir am eigenen Beispiel erfahren. So wurde in diesem Post das Bild nachträglich ausgetauscht (vielleicht haben Sie es ja bemerkt). Wer im Netz beispielsweise ein Bild findet, das nicht unter einer Lizenz zur freien Nutzung steht, darf dieses (obwohl es ja frei zugänglich ist) nicht einfach so in seinen eigenen Materialien verwenden, sondern muss beim Urheber/der Urheberin eine Genehmigung einholen, die ggf. auch mit Lizenzkosten verbunden ist.

Aber es gibt auch freie Ressourcen im Internet und es gibt immer mehr Aktionen, die  diese gezielt erstellen und zusammentragen. In Bildungskontexten hat sich hier der Begriff der Open Educational Ressources (OER) etabliert. Die UNESCO hatte bereits 2002 hierfür einen Vorschlag für eine Definition erarbeitet:

„In defining Open Educational Resources, the elements to consider are:

  • The vision for the service: Open access to the resource, with provision for adaptation.
  • The method of provision: enabled by information/communication technologies.
  • The target group: a diverse community of users.
  • The purpose: to provide an educational, non-commercial resource. […]
The recommended definition of Open Educational Resources is:
The open provision of educational resources, enabled by information and communication technologies, for consultation, use and adaptation by a community of users for non-commercial purposes.“

 

Zur rechtlichen Absicherung wurden freie Lizenzen erarbeitet, am bekanntesten sind hier die Creative Commons, kurz CC. Auch ganz unten auf unserem Blog finden Sie ein solches Zeichen. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, auch weil wir Ihnen damit Sicherheit geben wollten: Sie können die hier veröffentlichten Beiträge auf Ihren Blogs verwenden – unter den Bedingungen der Lizenz. Welche das sind, werden Sie erfahren, wenn Sie sich u.a. hier und hier mit den rechtlichen Rahmenbedingungen von Lernen 2.0 auseinandersetzen.

Die Aufmerksamkeit für OER ist aktuell sehr hoch: Die Wikimedia veranstaltet ihre erste OER-Konferenz, in Köln und Berlin finden die nächsten BarCamp für OER statt und aktuell läuft mit dem COER13 auch ein MOOC zu diesem Thema. Aber warum ist OER so präsent?

Weil diese Materialien eben die rechtlichen Unsicherheiten auflösen: Wenn man als Lehrender eine Schulbuchseite auf eine Folie druckt und an die Wand projiziert, ist das erlaubt; scannt man sie ein und wirft man sie mit dem Beamer an die Wand, darf man das oft nicht. Vor einiger Zeit wollten die Schulbuchverlage sogar einen „Schulbuchtrojaner“ durchsetzen, der diese unerlaubten Digitalisate auf Schulrechnern aufspürt. OER erlauben dagegen das Kopieren, die Weiterverwendung und oft auch die Bearbeitung für den eigenen Unterricht. Das könnte auch ((hoch-)schul-)politische Konsequenzen mit sich bringen, aber dafür ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Sie sehen: Vor uns liegt ein breites und spannendes Themengebiet, in dem insbesondere kontroverse Diskussionen ihren Platz finden sollen. Viel Spaß!


Was kann ich dazu lesen/anschauen?
TEXTE
Mirjam Bretschneider/ Jöran Muuß-Merholz/ Felix Schaumburg: Open Educational Resources (OER) für Schulen in Deutschland. Whitepaper zu Grundlagen, Akteuren und Entwicklungsstand im März 2012, v.1.0, Internet & Gesellschaft Collaboratory, März 2012.
Jens Crueger: Privatheit und Öffentlichkeit im digitalen Raum: Konflikt um die Reichweite sozialer Normen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 15-16/2013.
VIDEOS
COER13: Lizenzierung von OER – Die Bestandteile der Creative-Commons-LIzenzen, https://www.youtube.com/watch?v=cxE8b-oi5Gk
Thorsten Feldmann/ Henning Krieg: Saisonrückblick Social Media Recht (re:publica 2013), http://www.youtube.com/watch?v=BEIOcw33IH8
Interaktives Video zum Thema Überwachung und Datenschutz, http://panopti.com.onreact.com/swf/index.htm
Ende der Privatheit? Datenexhibitionismus und Digitale Selbstvermarktung. Sendung im Rahmen des Funkkolleg 2012/2013 „Wirklichkeit 2.0. Medienkultur im digitalen Zeitalter“, 17.11.2012, http://funkkolleg-medien.de/themen/03-ende-der-privatheit/

WEBSEITEN

Philippe Wampfler: Rechte für digital Lernende, 23.05.2013, http://schulesocialmedia.com/2013/05/23/rechte-fur-digital-lernende/

iRightsinfo: Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt, http://irights.info/

Informationsplattform Open Access. Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Information, http://open-access.net/de/allgemeines/rechtsfragen/lizenzen/

Welche weiteren interessanten Quellen gibt es?
Spielregeln im Internet – Durchblicken im Rechte-Dschungel (2010), http://irights.info/userfiles/spielregeln_im_internet_klicksafe_irights.pdf
Klaus Klimpel (2012): Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung „nicht kommerziell – nc“, http://irights.info/userfiles/CC-NC_Leitfaden_web.pdf
Heise, C. (2013): Open Access und Open Educational Resources: Gemeinsames Handeln für die Öffnung von Wissen. in Ludwig, L., Narr, K., Frank, S., & Staemmler, D. (Hrsg.), Lernen in der digitalen Gesellschaft – offen, vernetzt, integrativ, S. 114-117. Berlin: Internet & Gesellschaft Collaboratory, http://pure.leuphana.de/ws/files/3987118/Ini7_Lernen.pdf
Wagner, Ulrike; Brüggen, Niels; Gebel, Christa (2010): Persönliche Informationen in aller Öffentlichkeit? Jugendliche und ihre Perspektive auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte in Sozialen Netzwerkdiensten. Teilstudie im Projekt „Das Internet als Rezeptions- und Präsentationsplattform für Jugendliche“ im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). München: JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.
SONSTIGES
brand eins (12/2011): Der Mann ohne Geheimnisse, http://www.brandeins.de/magazin/warenwelt/der-mann-ohne-geheimnisse.html

Impulsbeiträge
  • „Google ist leider keine Quelle: Impuls zum Themenblock III“ von der SOOC-Teilnehmerin fraukapunkt am 18.06.13, hier
  • „Impulsbeitrag Themenblock III: Surfst du noch oder präsentierst du schon?“ von der SOOC-Teilnehmerin alexforsooc13 am 19.06.13, hier

Zusammenfassungen
  • Zwischenbilanz der VeranstalterInnen vom 21.06.2013, hier
  • Themenblockzusammenfassung aus Teilnehmersicht von Tim Gernitz vom 25.06.2013, hier
  • Themenblockzusammenfassung der VeranstalterInnen vom 28.06.2013, hier

Wo und wann kann ich mitreden? (Live-Session)
Live-Session im Themenblock III:
Jöran Muuß-Merholz am 24.06. von 16h-18h zum Thema „…“: Das entscheiden Sie! (siehe Aufgabe 1)
Wie immer im SOOC13-Online-Raum unter: https://webconf.vc.dfn.de/sooc13/
Die Aufzeichnung finden Sie hier: https://webconf.vc.dfn.de/p2xa0et393m/, die Folien liegen auf Slideshare: http://de.slideshare.net/anjalorenz/live-session-130624jmm

Was kann ich tun?
Aufgabe 1: Was macht das Internet mit mir? Was ich schon immer wissen wollte…
Mit Jöran Muuß-Merholz haben wir einen sehr erfahrenen Experten aus dem Bereich Lernen im Netz gewinnen können: Er engagiert sich für OER, hat das erste OERCamp mitorganisiert und ist im Collaboratory Internet und Gesellschaft aktiv, die den Beitrag von OER für Deutschland erarbeiten. Er ignoriert aber auch nicht die persönlichen Auswirkungen und hat bspw. das Buch „Mein Kind ist bei Facebook“ herausgegeben.
Kurz und gut: wir konnten uns schlichtweg nicht entscheiden, zu welchem Thema wir von ihm gern einen Beitrag hätten. Daher möchten wir ein weiteres Experiment wagen und die Vortragsgestaltung öffnen: Bitte überlegen Sie sich Fragen und Themen, die Sie sich in dem Interview wünschen und notieren Sie diese im Etherpad: https://etherpad.mozilla.org/themenblock3-live Sie dürfen natürlich gern auch dazu bloggen, zur Sicherstellung, dass wir hier nichts verpassen, bitten wir Sie, die Fragen hier wenigstens zu verlinken.
Bitte versuchen Sie, diese Aufgabe (wenn Sie diese angehen möchten) bis zum Freitag, den 21.06. um 18 Uhr zu erledigen, damit wir die Themen im Vorfeld etwas strukturieren können. Und natürlich wissen wir, dass Jöran Muuß-Merholz sicher nicht alles beantworten kann, inhaltlich wie bezüglich der Menge. Auch hier werden wir eine Auswahl treffen müssen, würden aber gern viele Ihrer Probleme ansprechen können.
Aufgabe 2: SOOC meets COER – Die SchnOERzeljagd 2.0
Im COER13 fand im zweiten Themenblock eine SchnOERzeljagd statt. Die Teilnehmenden sollten Open Educational Ressources im Netz suchen und verschiedene Metadaten dazu angeben.
Was im COER in der Live-Session durchgeführt wurde, können wir hier auch asynchron machen: Schauen Sie sich diesen Blog-Post an und erstellen Sie eine ähnliche „SchnOERzel-Jagd“ auf Ihrem eigenen Blog. Publizieren Sie diesen Post und rufen Sie andere Teilnehmer dazu auf, Ihr Rätsel zu lösen.

Aufgabe 3: Wie sehen Sie das?

Persönliche, rechtliche, (politische?) Auswirkungen von Facebook in Bildungskontexten

Viele von Ihnen studieren in Lehramtsstudiengängen, sind bereits LehrerInnen oder sind auf irgendeine andere Weise in Bildungsprozesse (wenn nicht als Akteur, dann doch als Teilnehmende) involviert und kennen sich mit Lernen und digitalen Medien immer besser aus.

Wie stehen Sie zu dem folgenden Artikel? Wie ist Ihre Einstellung dazu? Hat sich Ihre Überzeugung zu dem Thema in der letzten Zeit geändert?

 

Aufgabe 4: Ein Gedankenexperiment…

Greifen Sie die Blogparade noch einmal in einem eigenen Beitrag auf und wagen Sie mal ein Gedankenexperiment:

  • Was wäre wenn alle WissenschaftlerInnen bzw. Lehrende bloggen würden, um in der Community sichtbar zu sein?
  • Was passiert, wenn es keine Veranstaltungen mehr gibt, sondern nur noch online gelernt wird?
  • Was käme auf Sie zu, wenn Ihre Studien-/Forschungsleistungen nur noch über Ihren Blog (in diesem Sinne Ihr Portfolio) wahrgenommen würde?

Und nicht vergessen, Ihren Beitrag mit #gedankenexperiment getaggt auch über twitter zu publizieren.

Wann wird was passieren?

17.06. Material und Informationen zum Themenblock III sind online

19.06. Impulsbeiträge von Teilnehmenden werden veröffentlicht und verlinkt

21.06. Fragen an Jöran Muuß-Merholz sind im Etherpad; Wochenzusammenfassung durch die Veranstalterinnen

24.06. 16:00 Live-Session mit Jöran Muuß-Merholz

26.06. Abschlussreflexionen von Teilnehmenden werden veröffentlicht und verlinkt

28.06. Abschlusszusammenfassung durch die Veranstalterinnen

Und bei Fragen?

Seien es inhaltliche, organisatorische oder technische Fragen – Sie können gern auf uns zukommen. Wir versuchen Ihnen Rede und Antwort stehen.

Unsere Kontaktdaten finden Sie hier.