Themenblock I

Lernen 2.0: Theorien und Ansätze

13.05.-02.06.2013

Worum wird es gehen?
Im ersten Themenblock des SOOC13 wird sich drei Wochen lang alles um die Frage drehen, was eigentlich unter Lernen 2.0 verstanden werden kann und welche Theorien und Ansätze es in diesem Bereich gibt.
Lernen 2.0 ist, wie der Name schon sagt, eng assoziiert mit dem sogenannten Web 2.0, dem partizipativen Internet. Hinter dem Begriff steht dabei die Ansicht, dass die technologischen und nutzungsbezogenen Änderungen der vergangenen Jahre auch Auswirkungen auf Lernen und Bildung haben.
Stephen Downes etwa, tätig am National Research Council in Kanada, bringt in seinem Aufsatz “E-Learning 2.0” die Überzeugung zum Ausdruck, dass sich auch Online-Lernen mit dem WWW weiter entwickelt und sich dabei in einem Ausmaß wandelt, das neue Begriffe und Modelle für seine analytische Beschreibung erfordert. Unter diesen Vorzeichen wählt Downes die Bezeichnung E-Learning 2.0, um analoge Entwicklungen und Ansätze in diesem Bereich zu fassen.
Sein kanadischer Kollege George Siemens formulierte mit dem sogenannten Konnektivismus sogar eine eigene „Lerntheorie für das digitale Zeitalter“. Dabei geht auch er davon aus, dass unsere heutige digital durchsetzte Gesellschaft neue Anforderungen an die in ihr lebenden Menschen stellt und es daher ein neues Verständnis von Wissen und neue Strategien des Wissenserwerbs braucht, zum Beispiel den Aufbau von Wissensnetzwerken.
Soweit die Theorie – mit der, wie immer, aber auch viele kritische Fragen verbunden sind. Ist unsere Gesellschaft und sind wir als Lernende wirklich schon ausreichend auf ein Lernen 2.0 vorbereitet? Das viel gelobte „Mitmach-Netz“ (das Web 2.0) wird bekanntlich ja nur von einer kleinen Gruppe wirklich aktiv zur Beteiligung genutzt. Die Mehrheit rezipiert wie zuvor. Und selbst wenn wir uns aufraffen und über Blogs und Twitter engagiert mit anderen Lernenden diskutieren: Ist dann das Lernresultat letztendlich wirklich so viel besser, als wenn wir es über den klassischen Weg der Vermittlung im Klassenzimmer erworben hätten? Vor allem wenn man bedenkt, dass es auch dort intensive Diskussionen und Austausch gegeben hat und Lernen ja schon länger als aktiver Konstruktionsprozess betrachtet wird (Stichwort Kognitivismus und Konstruktivismus). Ist die Rede vom Lernen 2.0 und dessen theoretische Rahmung durch den Konnektivismus also nicht viel mehr als eine künstlich aufgeblasene Phrase? Wo könnten Anhaltspunkte liegen, die diese These stützen oder widerlegen?
In einer Richtung zumindest hat der Ansatz des Lernen 2.0 bereits eine konkrete Umsetzung in der Praxis gefunden: Die Idee von Personal Learning Environments (PLEs). Stephen Downes bezeichnet die Gesamtheit der zum Lernen genutzten Social Software- und (Internet-) Anwendungen als Persönliche  Lernumgebung. Diese Idee wird seit einigen Jahren intensiv u. a. von Medien-Pädagogen und Personalentwicklern diskutiert.
Persönliche Lernumgebungen können sehr unterschiedlich aussehen und aufgebaut sein. Das entscheidende Kriterium ist, dass sie für ihre/n Besitzer/in hilfreich sind und diese/n beim Lernen unterstützen. Das Bewusstmachen der Nutzung (digitaler) Werkzeuge zum selbstgesteuerten und kollaborativen Lernen und das gezielte Anwenden und Pflegen der PLE für das persönliche Lernmanagement kann im Sinne des lebenslangen Lernens sehr hilfreich sein. Dennoch lässt sich natürlich auch hier diskutieren, unter welchen Umständen und für welche Zwecke sich der Aufbau und die Pflege einer PLE überhaupt lohnen. Oder sollte das bewusste Anlegen, Organisieren und Pflegen der PLE gar zu Teilen einer Kulturtechnik werden, die neben Schreiben, Lesen und Rechnen bereits in der Grundschule erlernt wird – der Kulturtechnik „digitales Lern- und Wissensmanagement“?

Was kann ich dazu lesen/anschauen?
TEXTE
Stephen Downes (2005): E-learning 2.0. In: eLearn Magazine, Heft 10, October 2005, Online verfügbar: http://elearnmag.acm.org/featured.cfm?aid=1104968

George Siemens (2004). Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age. Online: http://www.elearnspace.org/Articles/connectivism.htm

Horizont Report 2013 (deutsch): http://www.nmc.org/pdf/2013-horizon-report-HE-DE.pdf

Schaffert, S., Kalz, M. (2009): Persönliche Lernumgebungen: Grundlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen eines neuen Konzepts. In: Handbuch E-Learning. Bd. 5, Nr. 5.16, S. 1-24. Online: http://dspace.ou.nl/bitstream/1820/1573/1/schaffert_kalz_ple09_dspace.pdf

VIDEOS

Shawn Burke (2012): Connectivism, YouTube-Video: http://www.youtube.com/watch?v=-20Oqm1GvsU

Wendy Drexler (2008): Networked Student, YouTube-Video: http://www.youtube.com/watch?v=XwM4ieFOotA

Vortrag Prof.Dr. Rolf Schulmeister (2009): PLE zwischem Alltäglichem und Besonderem: Was konstituiert eigentlich eine LERNumgebung? 2009: http://www.schwyz.phz.ch/forschung-und-entwicklung/veranstaltungen/personal-learning-environments-in-der-schule/ple-zwischem-alltaeglichem-und-besonderem-was-konstituiert-eigentlich-eine-lernumgebung/ (40 min.)

WEBLOGS

Lernen in kleinen Dosen: http://lernenzweinull.de/

E-Denkarium: http://gabi-reinmann.de/

Welche weiteren interessanten Quellen gibt es?
Kerres, Michael (2006): Potenziale von Web 2.0 nutzen. Online: http://www.bildungsserver.de/db/mlesen.html?Id=36324
Panke, Stefanie (2011): Personal Learning Environment und Open Online Course: Neue Formen offenen Lernens im Netz. Online: http://www.e-teaching.org/news/eteaching_blog/et_showComments?entryid=blogentry.2011-10-21.8969116794
Kahnwald, Nina (2009): Social Software as a Tool for Informal Learning. Online: http://www.elearningeuropa.info/files/media/media19951.pdf
SONSTIGES

Impulsbeiträge
  • Meinen die uns?, Impulsbeitrag der Online-Tutorinnen Marlen und Selina am 14.05.2013, hier
  • Impulsbeitrag von Nicole Neptun vom 15.05.2013, hier

Zusammenfassungen
  • das lernen lernen 2.0, Themenblockzusammenfassung von myrmikonos am 01.06.2013, hier
  • Zwischenzusammenfassung der VeranstalterInnen vom 17.05.2013, hier
  • Themenblockzusammenfassung der VeranstalterInnen vom 31.05.2013, hier

Wo und wann kann ich mitreden? (Live-Session)
Live-Session im Themenblock I:
Martin Ebner am 27.05. von 18h-20h zum Thema „Persönliche Lernumgebungen“
Wie immer im SOOC13-Online-Raum unter: https://webconf.vc.dfn.de/sooc13/
HIER gibt’s die Aufzeichnung!

Was kann ich tun?
Aufgabe 1: Wie sieht Ihre Persönliche Lernumgebung aus?
Überlegen Sie sich, welche Ressourcen, Quellen, Werkzeuge, Kontakte etc. Teil Ihrer ganz persönlichen Lernumgebung sind. Hierzu können sowohl Online- als auch Offline-Ressourcen gehören (z.B. E-Mail, Bibliothek, Familie/Nachbarn/KollegInnen, …). Es kann sich bei den Lernanlässen auch um sehr unterschiedliche Lernfelder handeln, wie z. B. Studium, Beruf und Freizeit.
Erstellen Sie eine grafische Übersicht und posten Sie sie in Ihrem Blog!
Wie kann so etwas aussehen? 
Falls Sie noch keine genaue Vorstellung haben, wie so etwas aussehen könnte, hier ein paar Beispiele:
PLE
Womit kann ich das machen?

Aufgabe 2: Konnektivismus erfahren

Im Folgenden stellen wir Ihnen zwei Experimente vor, die Sie einmal zum Thema Konnektivismus durchführen sollen. Dabei soll Ihnen verdeutlicht werden, wie sich das vernetzte Wissen im Internet aufbaut und verteilt.

Aus diesen beiden Experimenten können Sie sich eines auswählen, welches Sie für sich durchführen.

Experiment 1:

Suchen Sie sich einen anderen #sooc13 Teilnehmer aus der Twitter-Liste aus, dessen Name mit dem gleichen oder einem im Alphabet nahen Buchstaben beginnt. Fragen Sie ihn auf Twitter, worin er/sie sich gut auskennt. Notieren Sie die Antwort im Etherpad.

Experiment 2:

Gehen Sie auf http://de.wikipedia.org/wiki/W… und klicken Sie links unter dem Logo auf zufälliger Artikel. Welcher Artikel erscheint? Kennen Sie jemanden, der sich damit auskennt? Versuchen Sie über einen Tweet, jemanden zu finden, der sich damit auskennt, bspw. „Kennt sich jemand aus mit BEGRIFF #sooc13 #conexperiment #followerpower„. Notieren Sie die Antwort im Etherpad.

Egal für welche der beiden Optionen Sie sich entscheiden: Wenn Sie wollen, verfassen Sie zu der Aufgabe einen Blogbeitrag, in dem Sie reflektieren, wie Sie sich dabei gefühlt haben, mit anderen Personen im Netz in Kontakt zu treten und wie zielführend Ihnen dieses Vorgehen erschien. Allgemeine Reflexionsfragen, die Ihnen beim Schreiben der Blogbeiträge Anregungen liefern, finden Sie auch hier.

Wann wird was passieren?

13.05. Material und Informationen zum Themenblock I sind online

15.05. Impulsbeiträge von Teilnehmenden werden veröffentlicht und verlinkt

17.05. Wochenzusammenfassung durch die Veranstalterinnen

17.05.-24.05. Aufgabe: Wie sieht meine PLE aus? (siehe: Was sollte ich tun?)

27.05. 18:00 Live-Session mit Martin Ebner

29.05. Abschlussreflexionen von Teilnehmenden werden veröffentlicht und verlinkt

31.05. Abschlusszusammenfassung durch die Veranstalterinnen

Und bei Fragen?

Seien es inhaltliche, organisatorische oder technische Fragen – Sie können gern auf uns zukommen. Wir versuchen Ihnen Rede und Antwort stehen.

Unsere Kontaktdaten finden Sie hier.